Die IVOM-Spritze ins Auge bei feuchter Makuladegeneration
Wenn Sie oder ein Angehöriger die Diagnose „feuchte Makuladegeneration“ erhalten haben, steht meistens noch ein Wort bedrohlich im Raum: IVOM – die Spritze ins Auge.
Allein der Gedanke, dass eine Nadel unser Auge berührt, löst bei den meisten Unbehagen oder sogar nackte Angst aus. Das ist eine komplett menschliche Reaktion, dennoch möchten wir Ihnen eine andere Perspektive eröffnen.
Noch vor ca. 20 Jahren, bedeutete die Diagnose oft das unaufhaltsame Ende der aktiven Teilnahme am gesellschaftlichen Leben und das Ende des Lesevermögens. Man konnte praktisch zusehen, wie die Sehkraft immer schlechter und schlechter wurde.
Heute sieht das ganze etwas anders aus. Durch die IVOM-Therapie (Intravitreale Operative Medikamentengabe) können wir den Verlauf der feuchten AMD verlangsamen.
In diesem Artikel führen wir Sie Schritt für Schritt durch die Welt der Netzhaut-Therapie. Es werden die wissenschaftlichen Hintergründe der neuesten Medikamente und der Ablauf der Behandlung für Sie genau erklärt.
1. Das psychologische Hindernis
Warum die Angst vor der Spritze normal (aber unbegründet) ist
Eine Nadel, die sich dem Auge nähert, löst bei fast jedem Menschen einen natürlichen Schutzreflex aus, da das Auge unser empfindlichstes Sinnesorgan ist.
Die größte Hürde für den Therapieerfolg ist nicht die Medizin, sondern die Angst des Patienten.
Das Innere des Auges besitzt keine Schmerzrezeptoren, nur an der Oberfläche des Auges kann man Schmerzen spüren und genau die werden durch hochwirksame Augentropfen betäubt.
2. Die biologische Notwendigkeit
Die Frage ist: „Warum können wir nicht einfach Tabletten nehmen oder Augentropfen benutzen?“
Die Antwort liegt im Auge selbst, denn die sogenannte Blut-Retina-Schranke verhindert, dass Medikamente durch das Blut ins Auge gelangen und Augentropfen dringen nicht so tief ins Auge hinein, um die Makula zu erreichen.
Bei einer feuchten AMD oder Diabetes leidet die Netzhaut unter Sauerstoffmangel. Sie schütten den Wachstumsfaktor VEGF (Vascular Endothelial Growth Factor) aus, der dem Körper befiehlt, neue Blutgefäße zu bilden.
Die Gefäße sind jedoch:
- brüchig und undicht
- es tritt somit Flüssigkeit aus
- Dadurch quillt die Netzhaut auf und Sehzellen sterben ab.
Die Lösung für dieses Problem ist die IVOM Spritze, der Hemmstoff (Anti VEGF) wird durch die Injektion direkt an den Ort des Geschehens gespritzt.

3. Wirkstoffkunde
Es gibt verschiedene Arten des Medikaments und wird passend, basierend auf dem OCT-Befund, ausgewählt.
Ein Beispiel ist:
Eylea – dies ist ein bewährtes Medikament, da es die VEGF-Moleküle wie ein Schwamm aufsaugt.
4. Der Ablauf
- Vorbereitung: Sie erhalten mehrfach betäubende Tropfen um die Oberfläche vollkommen unempfindlich zu machen
- Desinfektion: Die Augenlider werden mit einer Jodlösung desinfiziert, um Keime zu entfernen.
- Injektion: Mit einer ultra feinen Nadel wird das Medikament, durch den weißen Teil des Auges, injiziert. Es ist ein leichter Druck zu spüren.
- Abschluss: Es folgen ein Tropfen Antibiotika und ein Blick des Arztes und schon sind Sie fertig.
5. Das Treat-and-Extend-Prinzip
Früher haben Patienten jeden Monat eine Injektion bekommen, doch mittlerweile wissen wir, man kann die Behandlung ausdehnen und der Patient muss nicht jeden Monat eine Nadel ins Auge bekommen.
Es erfolgt in 2 Phasen:
Phase 1: Meist bekommt der Patient 3 Spritzen im Abstand von jeweils 4 Wochen. Das dient dem Grund, dass man die Flüssigkeitsansammlung erstmal „trocken“ legen muss.
Phase 2: Zeigt das OCT, dass keine Flüssigkeit mehr da ist, dehnt man die Abstände aus. Es können 6-16 Wochen zwischen den einzelnen Injektionen liegen.
6. Sicherheit und Risiken
Direkt nach der Spritze ist es zwar wichtig, dass man vorsichtig ist, man muss jedoch keine Panik haben.
Normal: Haben Sie nach der Spritze einen roten Fleck an der Einstichstelle, ist dies ganz normal, es handelt sich um einen kleinen Bluterguss. Genauso normal ist ein leichtes Fremdkörpergefühl oder fliegende Punkte die man sieht (das ist das Medikament was im Glaskörper schwimmt).
Nicht normal: Sollten Sie starke Schmerzen haben, oder plötzlich massive Sehverschlechterungen, dann gehen Sie schnellstmöglich zum Augenarzt.
Fazit
Die IVOM-Spritze ist nicht nur eine Behandlung, sondern für viele Menschen die beste Möglichkeit, ihr Sehvermögen zu schützen. Wer die Therapie regelmäßig wahrnimmt, schafft die wichtigste Grundlage dafür, auch langfristig möglichst gut sehen zu können.
FAQ – Häufige Fragen zur IVOM-Spritze bei feuchter Makuladegeneration
Tut die IVOM-Spritze ins Auge weh?
Die Frage nach den Schmerzen beschäftigt fast alle Patientinnen und Patienten vor der ersten Behandlung. Die gute Nachricht ist: In der Regel wird die IVOM-Spritze nicht als schmerzhaft, sondern eher als kurzer Druck oder ungewohntes Gefühl wahrgenommen. Vor der Injektion wird das Auge mit betäubenden Augentropfen sorgfältig vorbereitet, sodass die Oberfläche weitgehend unempfindlich ist. Viele Betroffene sagen nach der ersten Behandlung, dass die Angst davor deutlich größer war als die eigentliche Injektion.
Warum muss das Medikament direkt ins Auge gespritzt werden?
Die IVOM-Therapie funktioniert deshalb so gut, weil das Medikament direkt an den Ort der Erkrankung gelangt. Bei der feuchten Makuladegeneration entstehen krankhafte, undichte Blutgefäße unter oder in der Netzhaut. Diese werden durch den Botenstoff VEGF gefördert. Tabletten oder Augentropfen erreichen die Makula in der nötigen Konzentration nicht zuverlässig. Die intravitreale Injektion bringt den Wirkstoff genau dorthin, wo er gebraucht wird, um Flüssigkeit, Schwellung und weitere Schäden an der Netzhaut zu reduzieren.
Wie läuft eine IVOM-Behandlung genau ab?
Der Ablauf einer IVOM ist standardisiert, kurz und in der Regel gut planbar. Zunächst wird das Auge mehrfach mit Tropfen betäubt. Danach erfolgt eine sorgfältige Desinfektion, um das Infektionsrisiko möglichst gering zu halten. Anschließend wird das Medikament mit einer sehr feinen Nadel über den weißen Teil des Auges in den Glaskörper eingebracht. Die eigentliche Injektion dauert nur wenige Sekunden. Danach kontrolliert der Arzt das Auge noch einmal. Für viele Patientinnen und Patienten ist es beruhigend zu wissen, dass der gesamte Termin meist schnell vorbei ist.
Wie oft muss eine IVOM-Spritze bei feuchter AMD gegeben werden?
Die feuchte Makuladegeneration ist meist eine chronische Erkrankung, daher ist die IVOM-Therapie häufig keine einmalige Behandlung, sondern ein langfristiges Therapiekonzept. Oft beginnt die Behandlung mit mehreren Injektionen in kürzeren Abständen, um die Netzhaut zunächst zu stabilisieren. Anschließend kann der Abstand zwischen den Spritzen je nach OCT-Befund individuell verlängert werden. Dieses Vorgehen nennt man Treat-and-Extend. Ziel ist es, so wenig wie nötig und so wirksam wie möglich zu behandeln.
Wie lange dauert die Behandlung bei feuchter Makuladegeneration?
Die Dauer der Behandlung ist von Patient zu Patient unterschiedlich. Entscheidend ist, wie aktiv die Erkrankung ist und wie die Netzhaut auf die Therapie anspricht. Manche Patientinnen und Patienten benötigen über längere Zeit regelmäßige Injektionen, bei anderen lassen sich die Abstände deutlich ausdehnen. Wichtig ist zu verstehen: Die IVOM-Therapie heilt die feuchte AMD nicht, sie kann den Verlauf aber oft wirksam bremsen und helfen, das Sehvermögen möglichst lange zu erhalten.
Welche Risiken und Nebenwirkungen hat die IVOM-Spritze?
Die IVOM ist heute eine etablierte und routinemäßig durchgeführte Behandlung. Nach der Spritze sind ein roter Fleck am Auge, ein leichtes Fremdkörpergefühl, vermehrtes Tränen oder kleine bewegliche Punkte im Sichtfeld häufig und in vielen Fällen harmlos. Wichtig ist aber, Warnzeichen zu kennen: starke Schmerzen, plötzliche Sehverschlechterung, deutliche Lichtempfindlichkeit oder eine starke Rötung des Auges sollten immer rasch augenärztlich kontrolliert werden. Solche Beschwerden sind selten, müssen aber ernst genommen werden.
Kann die IVOM-Spritze mein Sehvermögen wirklich erhalten?
Die IVOM-Therapie hat die Behandlung der feuchten Makuladegeneration grundlegend verändert. Während die Erkrankung früher oft zu einem raschen und fortschreitenden Verlust des zentralen Sehens führte, kann die moderne Netzhauttherapie heute bei vielen Patientinnen und Patienten das Sehvermögen stabilisieren und in manchen Fällen sogar verbessern. Entscheidend für den Erfolg sind eine frühe Diagnose, eine regelmäßige Kontrolle und das konsequente Einhalten der empfohlenen Behandlungsintervalle.