Diagnose trockene Augen: Was tun?

Prof. Dr. Mehdi Shajari

Prof. Dr. Mehdi Shajari

Über 10.000+ Augenoperationen | Mehrfach als Focus-Top-Mediziner ausgezeichnet

Veröffentlicht am Dezember 24, 2025

Einleitung

Wie diagnostizieren wir heutzutage das trockene Auge? Was für Möglichkeiten stehen uns zur Verfügung? Genau das schauen wir uns jetzt an. Ich bin Professor Dr. Mehdi Shajari, und heute führe ich Sie durch die moderne Diagnostik trockener Augen.

Wenn wir über die Diagnose von trockenen Augen sprechen, insbesondere unter Berücksichtigung ihrer multifaktoriellen Natur, nutzen wir eine Reihe von fortschrittlichen Diagnosetools, um ein vollständiges Bild zu erhalten. Denn nur wenn wir genau wissen, wo das Problem liegt, können wir auch gezielt und erfolgreich behandeln.

Die Spaltlampe: Der Klassiker der Augendiagnostik

Zuerst einmal die Spaltlampe: Dieses Mikroskop ermöglicht es uns, die Augenoberfläche in erstaunlicher Detailtreue zu untersuchen. Wir schauen uns die Hornhaut, die Bindehaut und die Meibom-Drüsen genau an, um Anzeichen von Trockenheit, Entzündung oder sogar strukturelle Veränderungen zu identifizieren.

Was wird mit der Spaltlampe untersucht?

Also, das heißt: Welche Bereiche gucken wir uns genau an am Auge? Mit der Spaltlampe gucken wir uns, wie gesagt, hier einmal die Oberfläche des Auges an – also wie schaut es aus mit der Hornhaut und der Bindehaut. Dann schauen wir uns an, wie der Tränenfilm aussieht. Der wird hier in der Tränendrüse produziert.

Und zu guter Letzt gucken wir uns die Meibom-Drüsen an. Die haben quasi hier am Lidrand ihre Ausführungsgänge und produzieren den Fettfilm, der den Tränenfilm vor der Verdunstung schützt.

Die Bedeutung der Spaltlampenuntersuchung

Letztlich muss man sagen, dass Entzündung oder sogar strukturelle Veränderungen zu identifizieren einer der Hauptbereiche ist, wenn man das Mikroskop verwendet. Diese Untersuchung ist grundlegend, um den Zustand der Augenoberfläche und die Funktion der Meibom-Drüsen zu beurteilen.

Bei der Spaltlampenuntersuchung kann der Augenarzt sehen:

  • Ob die Hornhaut Schäden aufweist
  • Ob Entzündungen an der Bindehaut vorliegen
  • Wie stabil der Tränenfilm ist
  • Ob die Meibom-Drüsen verstopft oder entzündet sind
  • Ob Veränderungen an den Lidrändern vorliegen

Die Spaltlampe ist seit Jahrzehnten das wichtigste Instrument in der Augenheilkunde und auch heute noch unverzichtbar für die Basisdiagnostik.

Doctor examining a patient's eye health.

Der Keratograph: Moderne Tränenfilm-Analyse

Dann gibt es den Keratographen – ein hochspezialisiertes Gerät, das uns hilft, die Qualität und Stabilität des Tränenfilms zu bewerten. Der Keratograph kann uns zeigen, wie gut die Tränen den Augapfel benetzen und wie schnell sie verdunsten.

Was misst der Keratograph?

Diese Informationen sind besonders wertvoll, um zu bestimmen, ob der wässrige Anteil des Tränenfilms oder der Fettanteil von den Drüsen unzureichend ist. Der Keratograph führt verschiedene Messungen durch:

Tränenfilm-Aufreißzeit (TBUT – Tear Break-Up Time): Diese Messung zeigt, wie lange der Tränenfilm nach dem Blinzeln stabil bleibt. Ein normaler Wert liegt bei über 10 Sekunden. Wenn der Film schneller aufreißt, deutet das auf Instabilität hin.

Meibographie: Diese spezielle Bildgebungstechnik macht die Meibom-Drüsen sichtbar. Man kann erkennen, ob die Drüsen normal funktionieren oder ob sie atrophiert (zurückgebildet) oder verstopft sind.

Tränenmeniskus-Höhe: Die Höhe der Tränenflüssigkeit am unteren Lidrand gibt Aufschluss über die Menge der produzierten Tränen.

Rötungsanalyse: Der Keratograph kann auch die Gefäßerweiterung an der Bindehaut messen, was auf Entzündungen hindeutet.

Warum ist der Keratograph so wichtig?

Der große Vorteil des Keratographen ist, dass er objektive, messbare Daten liefert. Während die Spaltlampenuntersuchung von der Erfahrung des Untersuchers abhängt, gibt der Keratograph klare Zahlen. Das ermöglicht eine präzise Verlaufskontrolle und eine Erfolgsmessung der Therapie.

Außerdem ist die Untersuchung völlig schmerzfrei und dauert nur wenige Minuten. Sie liefert aber Informationen, die mit bloßem Auge nicht zu erkennen wären.

MMP9-Messung: Der Entzündungsmarker

Und natürlich dürfen wir die Bedeutung der MMP9-Messung nicht unterschätzen. Das hört sich wieder sehr komplex an, aber MMP9 – merken Sie sich einfach so als kleine Abkürzung – ist ein Indikator für Entzündung im Auge. Und ein erhöhter Wert kann ein deutlicher Hinweis auf die Präsenz von trockenen Augen sein.

Warum ist MMP9 so wichtig?

Weil was viele vergessen: Trockene Augen sind sehr häufig multifaktoriell, und einer der wichtigsten Parameter bei dieser ganzen Geschichte, trockene Augen zu entwickeln, ist tatsächlich ein permanenter Entzündungsreiz. Und genau das kann man mit MMP9 dann quasi messen.

MMP9 steht für Matrix-Metalloproteinase 9, ein Enzym, das bei Entzündungen vermehrt ausgeschüttet wird. Die Messung funktioniert einfach: Ein kleiner Test, ähnlich einem Schwangerschaftstest, wird mit der Tränenflüssigkeit benetzt. Nach wenigen Minuten zeigt er an, ob erhöhte MMP9-Werte vorliegen.

Was bedeuten erhöhte MMP9-Werte?

Diese Messung gibt uns dann ein weiteres wichtiges Puzzleteil, um die beste Behandlungsstrategie für jeden individuellen Fall zu entwickeln. Ein erhöhter MMP9-Wert bedeutet:

  • Es liegt eine aktive Entzündung vor
  • Das trockene Auge ist nicht nur ein Mangel an Tränenflüssigkeit
  • Eine entzündungshemmende Therapie ist wahrscheinlich sinnvoll
  • Die Prognose ist schlechter, wenn nicht behandelt wird

Patienten mit erhöhten MMP9-Werten profitieren oft besonders von entzündungshemmenden Augentropfen oder anderen anti-inflammatorischen Therapien.

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Die multifaktorielle Diagnose: Alle Aspekte betrachten

Bei der Diagnose von trockenen Augen geht es wirklich darum, alle Aspekte zu betrachten: von der Beschaffenheit des Tränenfilms über die Gesundheit der Meibom-Drüsen bis hin zu den Entzündungsmarkern.

Warum brauchen wir mehrere Untersuchungen?

Jedes dieser Tools – die Spaltlampe, der Keratograph und die MMP9-Messung – liefert uns spezifische Informationen, die es uns ermöglichen, den Tränenfilm besser zu beurteilen und die Form des trockenen Auges zu erkennen. Sei es ein Mangel an wässrigem Anteil, Probleme mit dem Fettanteil oder eine Kombination von beiden mit einer entzündlichen Komponente.

Die verschiedenen Formen trockener Augen:

Typ 1: Wässriger Mangel (Aqueous Deficiency)

  • Zu wenig Tränenproduktion
  • Tränendrüse produziert nicht ausreichend
  • Häufig bei Sjögren-Syndrom oder altersbedingtem Rückgang

Typ 2: Evaporativer Typ (Verdunstung)

  • Meibom-Drüsen-Dysfunktion
  • Fettschicht fehlt oder ist unzureichend
  • Häufigste Form des trockenen Auges (ca. 70%)

Typ 3: Entzündlicher Typ

  • Chronische Entzündung der Augenoberfläche
  • Erhöhte MMP9-Werte
  • Oft als Komplikation der anderen Typen

Typ 4: Mischform

  • Kombination aus mehreren Faktoren
  • Am häufigsten in der Praxis
  • Erfordert multimodale Therapie

Die maßgeschneiderte Behandlung

Es ist diese umfassende, multifaktorielle Herangehensweise, die uns hilft, jedem Patienten dann letztlich eine maßgeschneiderte Behandlung anzubieten. Und das ist halt das Entscheidende wiederum: Weil wenn wir wissen, ob das Problem eher im wässrigen Anteil liegt oder eher im fettigen Anteil, können wir dann spezifisch für diesen jeweiligen Bereich eine Therapie ansetzen.

Von der Diagnose zur Therapie

Die Diagnostik ist die Grundlage für jede erfolgreiche Therapie. Ohne zu wissen, welche Form des trockenen Auges vorliegt, kann man nur symptomatisch behandeln – und das führt oft zu unbefriedigenden Ergebnissen.

Bei wässrigem Mangel:

  • Tränenersatzmittel mit hohem Wasseranteil
  • Punctum Plugs (Verschluss der Tränenkanälchen)
  • Medikamente zur Anregung der Tränenproduktion

Bei Meibom-Drüsen-Dysfunktion:

  • Lipidhaltige Augentropfen
  • Lidrandpflege und Wärmetherapie
  • Massage der Meibom-Drüsen

Bei Entzündung:

  • Entzündungshemmende Augentropfen
  • Immunmodulierende Therapie
  • Omega-3-Fettsäuren

Bei Mischformen:

  • Kombination verschiedener Therapieansätze
  • Stufenweises Vorgehen
  • Regelmäßige Kontrollen und Anpassungen

Der diagnostische Ablauf in der Praxis

Wie läuft eine vollständige Diagnostik trockener Augen in der Praxis ab?

Schritt 1: Anamnese

Zunächst werden Ihre Beschwerden ausführlich besprochen:

  • Welche Symptome haben Sie?
  • Wann treten sie auf?
  • Was verschlimmert die Beschwerden?
  • Welche Vorerkrankungen liegen vor?
  • Welche Medikamente nehmen Sie?

Schritt 2: Spaltlampenuntersuchung

Die klassische Untersuchung mit dem Mikroskop zeigt:

  • Zustand der Hornhaut und Bindehaut
  • Stabilität des Tränenfilms
  • Funktion der Meibom-Drüsen
  • Entzündungszeichen

Schritt 3: Keratograph-Messung

Die objektive Messung liefert:

  • Tränenfilm-Aufreißzeit
  • Meibographie der Drüsen
  • Höhe des Tränenmeniskus
  • Rötungsgrad

Schritt 4: MMP9-Test

Der Entzündungsmarker zeigt:

  • Ob eine aktive Entzündung vorliegt
  • Wie stark die Entzündung ist
  • Ob entzündungshemmende Therapie nötig ist

Schritt 5: Befundbesprechung und Therapieplanung

Basierend auf allen Ergebnissen wird gemeinsam ein Therapieplan erstellt.


FAQ – Häufig gestellte Fragen zur Diagnose trockener Augen

Was sind die Hauptursachen für das trockene Auge?

Trockene Augen können durch verschiedene Faktoren verursacht werden: Ein Mangel am wässrigen Anteil (die Tränendrüse produziert zu wenig), Probleme mit dem Fettanteil (Meibom-Drüsen-Dysfunktion führt zu schneller Verdunstung) oder eine chronische Entzündung der Augenoberfläche. Häufig liegt eine Kombination mehrerer Faktoren vor, weshalb man von einer multifaktoriellen Erkrankung spricht. Auch Umweltfaktoren wie trockene Luft, Bildschirmarbeit, Medikamente und das Alter spielen eine wichtige Rolle.

Warum ist die Spaltlampe wichtig bei der Diagnose?

Die Spaltlampe ist das wichtigste Basisinstrument in der Augenheilkunde. Sie ermöglicht eine stark vergrößerte, dreidimensionale Betrachtung aller vorderen Augenstrukturen. Der Arzt kann damit Entzündungen, strukturelle Schäden an Hornhaut und Bindehaut, die Funktion der Meibom-Drüsen und die Stabilität des Tränenfilms direkt beurteilen. Ohne diese Untersuchung wäre eine fundierte Diagnose nicht möglich, denn viele wichtige Details sind nur unter dem Mikroskop erkennbar.

Wie hilft der Keratograph bei der Diagnose?

Der Keratograph ist ein hochspezialisiertes Diagnosegerät, das objektive, messbare Daten liefert. Er misst die Stabilität und Qualität des Tränenfilms, die Verdunstungsrate, das Benetzungsverhalten und kann die Meibom-Drüsen bildlich darstellen. Diese quantitativen Messungen sind wichtig, um die Schwere der Erkrankung objektiv zu beurteilen und den Therapieverlauf zu kontrollieren. Der Keratograph ergänzt die subjektive Spaltlampenuntersuchung durch harte Fakten und macht Veränderungen im Zeitverlauf messbar.

Was bedeutet ein erhöhter MMP9-Wert?

Ein erhöhter MMP9-Wert (Matrix-Metalloproteinase 9) weist auf eine anhaltende Entzündung der Augenoberfläche hin. MMP9 ist ein Enzym, das bei Entzündungsprozessen vermehrt ausgeschüttet wird. Dies ist ein wichtiger Befund, denn er zeigt, dass nicht nur ein einfacher Mangel an Tränenflüssigkeit vorliegt, sondern eine aktive entzündliche Komponente, die gezielt behandelt werden muss. Patienten mit erhöhten MMP9-Werten benötigen oft entzündungshemmende Medikamente zusätzlich zu einfachen Tränenersatzmitteln.

Wie wird die Behandlung auf Basis der Diagnose angepasst?

Die Diagnostik ermöglicht eine individuell zugeschnittene Therapie. Je nachdem, ob hauptsächlich ein Mangel am wässrigen Anteil, Probleme mit der Lipidschicht oder eine Entzündung vorliegen, wird die Behandlung spezifisch ausgerichtet. Bei wässrigem Mangel kommen andere Tränenersatzmittel zum Einsatz als bei Meibom-Drüsen-Dysfunktion. Bei nachgewiesener Entzündung werden entzündungshemmende Medikamente eingesetzt. Häufig ist eine Kombination verschiedener Therapieansätze nötig. Ohne präzise Diagnose wäre nur eine symptomatische Behandlung möglich, die oft unbefriedigend bleibt.

Fazit: Präzise Diagnose als Schlüssel zur erfolgreichen Therapie

Und genau darum geht’s im nächsten Video: Wir gucken uns mal die Behandlungsmöglichkeiten an. Denn jetzt, wo wir verstehen, wie die Diagnose gestellt wird, können wir im nächsten Schritt gezielt über die verschiedenen Therapieoptionen sprechen.

Die wichtigsten Punkte zusammengefasst

Die drei Säulen der Diagnostik:

  • Spaltlampe: Detaillierte Untersuchung der Augenoberfläche, Hornhaut, Bindehaut und Meibom-Drüsen
  • Keratograph: Objektive Messung von Tränenfilm-Qualität, Stabilität und Drüsenfunktion
  • MMP9-Messung: Nachweis von Entzündungen als wichtiger Krankheitsfaktor

Warum multifaktorielle Diagnostik?

  • Trockene Augen haben meist mehrere Ursachen gleichzeitig
  • Nur die Kombination aller Befunde ergibt ein vollständiges Bild
  • Jedes Diagnoseinstrument liefert spezifische, wichtige Informationen
  • Eine maßgeschneiderte Therapie ist nur mit präziser Diagnose möglich

Die verschiedenen Typen:

  • Wässriger Mangel (zu wenig Tränenproduktion)
  • Evaporativer Typ (Meibom-Drüsen-Dysfunktion)
  • Entzündlicher Typ (chronische Inflammation)
  • Mischformen (Kombination mehrerer Faktoren)

Von der Diagnose zur Therapie:

  • Jede Form benötigt eine spezifische Behandlung
  • Bei wässrigem Mangel andere Maßnahmen als bei Lipidmangel
  • Entzündungen müssen gezielt behandelt werden
  • Regelmäßige Kontrollen zur Therapieanpassung sind wichtig

Die moderne Diagnostik trockener Augen ist komplex, aber genau diese Komplexität ermöglicht es uns, individuelle und damit erfolgreiche Therapien anzubieten. Wenn Sie unter Symptomen trockener Augen leiden, lohnt sich der Gang zum Augenarzt für eine umfassende Diagnostik. Denn nur wer die Ursache kennt, kann gezielt behandeln.

Weitere Informationen finden Sie auch in unserem Video zur Diagnostik trockener Augen und auf unserer Informationsseite zu trockenen Augen.

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